Ein einsamer, weitläufiger Sandstrand, der von einem malerischen Kiefernwald gesäumt ist. Die in der geschützten Bucht liegenden Findlinge geben der Szenerie einen ganz besonderen Reiz. Keine Menschenseele ist weit und breit zu sehen. Der Blick kann weit schweifen, man sieht kein Haus, keine Zivilisation, nur wunderschöne Natur. Es ist lediglich das seichte Platschen der Wellen, das Streichen des Windes durch die Bäume und das Zwitschern der Vögel zu hören. Die leichte Brise und die saubere Luft sorgen für ein Gefühl der Klarheit. Geht man einige Schritte in den Wald hinein, spürt man unter den Füßen das saftig grüne, weiche Moos, die Sonne blitzt durch die schmalen, hochgewachsenen Kiefern hindurch. Links und rechts des Weges wachsen Heidelbeeren und Pilze.
Ortswechsel.
Der schmale, sandige Pfad führt oben am Rande der Steilklippen entlang. Das laute Tosen des Meeres übertönt alle anderen Geräusche. Auch hier ist weit und breit keine Menschenseele zu entdecken. Lässt man den Blick nach rechts schweifen, sieht man das aufgewühlte Meer, das wild und ungestüm gegen die Felsen rauscht. Die Steilküste wird immer wieder von malerischen, einsamen Sandbuchten unterbrochen, in die die Wellen friedlich auslaufen. Am Himmel zieht ein Storch vorüber. Auf der anderen Seite des Pfades blühen Blumen in allen möglichen Farben. Man kann die klare, salzige Luft riechen und schmecken.
Was hat es mit diesen beiden Orten auf sich?
Wir haben gerade einen kurzen Abstecher an zwei meiner Lieblingsorte in Europa unternommen. Zuerst in den Norden nach Estland an einen Küstenabschnitt in der Nähe von Tallinn, danach ganz in den Süden auf den Fischerweg in Portugal. Doch was haben diese beiden Landschaften mit Europa zu tun?
Die faszinierende Vielfalt europäischer Natur
Beide Küstenabschnitte sind durch Natura 2000 geschützt. Natura 2000 ist ein europäisches Netz an Schutzgebieten, welches zum Ziel hat, gefährdete und typische Lebensräume und Arten zu erhalten. Natura 2000 ist weltweit das größte, koordinierte Netzwerk von Schutzgebieten. Es deckt ca. 18% der Landflächen und 6% der Meeresflächen der Europäischen Union ab. Ziel des Netzwerks ist es, das langfristige Überleben der wertvollsten und bedrohtesten Arten und Lebensräume Europas zu sichern. Zudem ermöglicht Natura 2000 die Evaluierung der europaweiten Entwicklung des Naturschutzes. Nur so können Fortschritte und auch Bereiche, in denen weiterhin dringender Handlungsbedarf besteht, identifiziert werden.
Natürlich ist Natura 2000 kein Allheilmittel für unsere Umwelt. Es gibt auch hier Kritik, wie z.B. eine unzureichende Finanzierung. Dennoch schafft das Netz die Rahmenbedingungen koordinierten Naturschutz weiterzuentwickeln und europaweit abzustimmen.
Klar ist auch, dass Europa zunehmend mit Bedrohungen konfrontiert ist, die sich kaum mehr nationalstaatlich lösen lassen. Egal, ob wir an die Verschmutzung der Meere oder an den Klimawandel denken: diese Probleme kennen keine Ländergrenzen. Umso wichtiger ist es, dass in Europa Strukturen aufgebaut werden, die koordiniertes, gemeinsames Handeln ermöglichen.
Natura 2000 – ein EU weites Netz an Schutzgebieten, das auf dem Grundsatz der Solidarität beruht
Für mich zeigt Natura 2000, dass der europäische Gedanke der Solidarität, des „Gemeinsam sind wir stärker“, sich auch an Orten zeigt, an denen man nicht unbedingt damit rechnet. Obwohl diese beiden Landschaften, die beiden Länder und Kulturen ganz unterschiedlich sind, gibt es verbindende Elemente – die Erhaltung und der Schutz dieser wunderschönen Lebensräume; die Wertschätzung der Natur und die Notwendigkeit diese zu bewahren – gemeinsam als Europäer.
Für mich ist es immer wieder faszinierend, wo sich der europäische Gedanke des Zusammenhalts zeigt. Wo europäische Kooperation und die konkrete Umsetzung der gemeinsamen Ziele entdeckt werden können.
Und vor allem freue ich mich, wenn ich auch noch in 10 Jahren zu meinen Lieblingslandschaften zurückkehren kann und diese noch genauso schön sind, wie heute.
P.S.: Wenn du nach einem Natura 2000 Schutzgebiet in deiner Umgebung suchen möchtest, kannst du das mithilfe dieser interaktiven Karte tun: https://natura2000.eea.europa.eu/#







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