Bei meinen Reisen in unterschiedliche europäische Länder war ich immer wieder aufs Neue von der Vielfalt Europas begeistert: Sei es in kulinarischer, landschaftlicher, kultureller, menschlicher oder geschichtlicher Hinsicht. Während meines Auslandssemesters in Tallinn (Estland) durfte ich eine ganz besondere und für mich neue Seite Europas entdecken.
Europas Vielfalt fasiziniert mich
Estland vereint für mich auf einzigartige Art und Weise das moderne Europa mit seiner sowjetischen Vergangenheit. Diese (vermeintlichen) Gegensätze lassen sich vor allem in Tallinn, der Hauptstadt Estlands, beobachten. Am Rande der Altstadt ist das hippe Viertel Telliskivi entstanden, in dem ein offener, kreativer Geist herrscht, was sich unter anderem in der aktiven und weit bekannten Start-Up-Szene widerspiegelt. Der mittelalterliche Stadtkern Tallinns wirkt auf den ersten Blick wie eine „ganz normale“ europäische Altstadt, die man so auch in Deutschland finden könnte. Lässt man allerdings die alten Stadtmauern hinter sich, ist der Einfluss der jahrzehntelangen sowjetischen Fremdherrschaft und die Nähe zum russischen Nachbar unverkennbar: Sei es in Form der tristen Plattenbautensiedlungen am Rande von Tallinn oder der stolz auf dem Domberg thronenden, russisch-orthodoxen Alexander-Newski-Kathedrale, die das Stadtbild von Tallinn entscheidend prägt.
Sowjetische Vergangenheit, Einfluss des russischen Kulturkreises und Modernität – in Tallinn schließt sich das nicht gegenseitig aus
Was hat das Ganze nun aber mit der im Titel dieses Beitrags erwähnten ominösen Kamatahvel zu tun? Die Kamatahvel ist eine Art Schokoladentafel, die von der estnischen Schokoladenmarke Kalev hergestellt wird. Die Kamatahvel besteht nicht, wie herkömmliche Schokolade, überwiegend aus Kakao, sondern zu einem großen Anteil aus dem sogenannten Kamapulver. Das ist ein Gemisch aus Roggen-, Erbsen-, Gersten- und Hafermehl und wird in Estland schon seit jeher für das Frühstück, in Getränken und Desserts verwendet. Während der sowjetischen Fremdherrschaft war Schokolade knapp und teuer. Die estnische Schokoladenmarke Kalev wurde daher kreativ und kreierte die sogenannte Kamatahvel. Das schokoladige Original konnte zwar nicht eins zu eins kopiert werden, dennoch erfreute sich die schmack- und nahrhafte Alternative in der Bevölkerung großer Beliebtheit. Mit der Zeit und sinkenden Kakaopreisen ging die Nachfrage zurück. Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde die Kamatahvel erneut auf den Markt gebracht. Als nostalgische Erinnerung an frühere Zeiten für ältere Esten und als hipper Retro-Snack für die junge Generation feierte die Schoko-Alternative ein Comeback.
Kamatahvel – nostalgische Erinnerung und hipper Retro-Snack
Die Kamatahvel ist eine Erinnerung daran, dass es andere Zeiten in Europa gab – Zeiten des Mangels, der Trennung, des Krieges und der Feindschaft. Es ist nicht allzu lange her, dass Europa zweigeteilt war – die Sowjetherrschaft in Estland endete erst 1991. Was uns heute eint, ist das friedliche Zusammenleben.
Die Kamatahvel ist auch ein Zeichen dafür, wie Vergangenheit und Gegenwart in Europa ineinandergreifen. Seien es die tristen Plattenbautensiedlungen und die moderne Start-Up-Szene, die sich in Tallinn gegenüberstehen. Oder die kriegerischen Zeiten in Europa, denen sich die bisher längste Friedensperiode angeschlossen hat. Der Blick in die Vergangenheit erinnert uns daran wie viel Trennung und Hass es in Europa gab. Die Gegenwart zeigt uns, welchen Weg wir schon beschritten haben. Der Blick in die Zukunft kann uns vor Augen führen, was möglich ist, wenn wir uns weiter für einen friedlichen Weg, der verbindet und Vielfalt anerkennt, entscheiden.



Hallo Milena, ich stöbere hier schon eine Weile auf deiner Website. Mich würde sehr interessieren, ob du dein Logo als Vektorgrafik eingestellt hast. Da sich das Bild dann ohne Qualitätsverlust beliebig skalieren lässt (aber so wie es aussieht hast du das bereits gemacht) 😀
LG
Der Unbekannte Nutzer
Hallo! Ursprünglich habe ich das Logo als Vektorgrafik erstellt, aber dann im png-Format in die Website eingebunden 🙂
Hallo Milena,
das finde ich ja schön, was du über die Ersatzschokolade Kamatahvel zu berichten weißt. Hast du denn auch ein Foto davon? Mich würde interessieren, wie das grafisch aufgemacht ist. Und inwiefern sich die „ Schokolade“ auch im europäischen Kontext, also in Handel und Verbreitung darstellt. Ist ja offenbar ein ganz veganes Produkt, das sicher auch gut in einen Biomarkt passen würde.
Hallo! Leider habe ich es bei meinem Aufenthalt in Estland versäumt ein Bild aufzunehmen. Das werde ich beim nächsten Mal nachholen 😉 In der Google Bilder Suche wird man aber auch fündig. Die Kamatahvel wird von Kalev hergestellt. Das ist eine estnische Süßwarenfirma, die überwiegend in Estland vertreibt. Vereinzelt lassen sich die Produkte auch in den anderen beiden baltischen Staaten, in Skandinavien und Russland finden. Soweit ich mich erinnere ist in der Kamatahvel Milch(pulver) enthalten. Vegan wäre sie daher nicht.